Flughafen Pütnitz – 1935-1994

Das 2014 erschienene Buch von Edwin Sternkiker mit dem Titel „Der Flughafen Pütnitz unter Hakenkreuz und Sowjetstern 1935-1994″ stellt die spannende und wechselvolle Geschichte des Flugplatzes auf der Grundlage von Dokumenten aus Archiven und Zeitzeugenaussagen dar und präsentiert zahlreiche, zum Teil erstmalig veröffentlichte historische Fotos.

 

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1935 wurde vom damaligen Deutschen Reich ein etwa 575 ha großes Waldgebiet westlich von Pütnitz, direkt am Saaler Bodden gelegen, erworben, um dort einen Flugplatz zu errichten.

Der Flugplatz diente seit seinem Bau bis zum Kriegsende 1945 als Fliegerschule. Zuerst wurde hier die Flugzeug-Führer-Schule-See stationiert, die dann in Flugzeug-Führer-Schule C17 umbenannt wurde und zur Ausbildung von Bomberpiloten auf Sicht- und Blindflug diente. Kurz vor Kriegsende wechselte die Bezeichnung auf FFS B17 und der Fokus lag nun mehr auf dem Blindflug. Folgende Flugzeuge kamen dabei zum Einsatz: Ju-52, He-111, He-42, He-59, He-60, He-115, Do Wal, Do 18, Do 24, BV 138.

Zusätzlich zum Lehrbetrieb wurden auf dem Fliegerhorst die in den Bachmann-Werken auf der anderen Seite des Boddens in Ribnitz reparierten Seeflugzeuge eingeflogen. Das Werk reparierte vornehmlich: He 59, He 60, He 111, He 114, He 115. Während die Wasserflugzeuge auf eigenen Schwimmkörpern auf die andere Boddenseite überführt wurden, sind die Landflugzeuge auf werkseigenen Schleppkähnen nach Pütnitz verschifft worden. Die Bachmann-Werke wurden nach Kriegsende als Reparationsleistung zerlegt und nach Russland verbracht. In die ehemaligen Werkshallen zogen zu DDR-Zeiten die VEB Faserplattenwerke und die aus der Fischland GmbH entstandene VEB Ostseeschmuck ein. Letztere wurde 1992 zur, auch heute noch erfolgreichen, Ostseeschmuck GmbH deren Schaumanufaktur in Damgarten besichtigt werden kann. Von den Werkanlagen stehen auch heute noch Reste.

Das Flugplatzgelände selbst wurde nach dem Krieg kurzzeitig für den Bau von Fischkuttern aus Holz genutzt, welche bis 1989 in großem Umfang und auch heute noch vereinzelt im “Alten Strom” in Warnemünde liegen.

Am 7. Juni 1948 unterschrieb hierfür der Oberste Chef der Sowjetischen Militäradministration, Marschall Sokolowski, den Befehl zur Einrichtung von verschiedenen Werften für den Bau von Schiffen für die Fischereiflotte. Auch auf dem Gelände des früheren Militärflughafens sollte eine solche Werft für den Bau von Kuttern mit 50 Tonnen Wasserverdrängung errichtet werden. Produktionsstart sollte am 1. Januar 1949 sein.

Ingenieur Waldemar Fellmann von der Neptun-Werft Rostock wurde im Juni 1948 mit dem Aufbau der Boddenwerft beauftragt. Es wurde Tag und Nacht an dem umfangreichen Projektierungsunterlagen gearbeitet. Am 1. Juli 1948 wurde die Eröffnungsbilanz mit einem Vermögen von rund 12 Millionen D-Mark erstellt. Als am 7. Juli mit den Umbauarbeiten der alten Kasernenanlagen begonnen werden konnte, zählte die Werft bereits 50 Belegschaftsmitglieder. Die für eine Werft weitläufigen Kasernenanlagen gestatteten eine großzügige Planung. So wurde eine kleine Stadt mit eigener Poliklinik, eigenem Werftbad, Clubhaus, Lehrlingsheim, einer Bibliothek, einem Ledigenheim, sowie Versorgungseinrichtungen in Form eines Konsums, eines eigenen Schneiders, eines Schusters und eines Friseurs geplant. Parallel zu den Umbauarbeiten an den Kasernengebäuden wurde mit dem Umbau der Hallen begonnen.

1951 wurde der ehemalige Fliegerhorst mitsamt der Werft für die sowjetischen Fliegerkräfte beschlagnahmt und das Aerodrom Damgarten eingerichtet. Der Flugplatz Pütnitz wurde damit zu einem der wichtigsten Luftwaffenstützpunkte der Westtruppen der sowjetischen Luftstreitkräfte. Die alten technischen Anlagen und die Unterkünfte wurden bis zum 11. April 1994 durch die sowjetischen Fliegerkräfte und dann durch die GUS-Fliegerkräfte genutzt. Es entstanden in dieser Zeit nur wenige neue Gebäude, dafür wurden eine ganze Reihe verschiedenster Bunker, unter anderem für die Zwischenlagerung von Atomwaffen, errichtet. Die sowjetischen Streitkräfte nutzten mit der 16. Jagdfliegerdivision den Platz für eine Vielzahl von unterschiedlichen Jägern der MIG-Reihe bis hin zur MIG-29. Eine MIG-21 ist auch heute noch beim inzwischen hier ansässigen Technikverein zu besichtigen.

Insgesamt waren hier in fast 50 Jahren sowohl Boden-, Marine- und Raketentruppen als auch Flieger stationiert. 1994 wurde der Flugplatz durch die militärischen Nutzer geräumt. Landebahn, Kasernen und die unter Denkmalschutz stehenden Flugzeughallen, in denen heute der Technikverein Pütnitz e.V. sein Domizil hat, sind noch immer erhalten.

Micha alias MCC007

technik@lost-in-mv2.de

  2 comments for “Flughafen Pütnitz – 1935-1994

  1. Timo TA93
    20. Februar 2015 at 17:08

    Hallo Micha,
    kann man das Büchlein auch zum Event erwerben und zu welchem Preis?
    Würde da gern ein Exemplar vorbestellen. Vielleicht läßt sich das mit der Anmeldung vor Ort kombinieren?
    Viele Grüße aus Königstein
    Timo

    • Micha
      20. Februar 2015 at 17:44

      Hallo Timo,

      schön wieder von Euch zu hören und das mit dem Büchlein sollte sich machen lassen.
      Über den Preis bin ich noch nicht informiert, werde das beim nächsten Ortstermin klären.
      Ich freu mich schon auf Euer Kommen.

      Viele Grüße Micha

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